Handel

Amazon: Streikende aus Graben waren in Berlin

Amazon Gründer Jeff Bezos erhielt Auszeichnung vom Axel Springer Verlag

Amazon: Streikende aus Graben waren in Berlin

Mehrere hundert Amazon-Beschäftigte von sechs deutschen Standorten sowie aus Polen, Italien und Spanien protestierten gemeinsam am Dienstag, den 24. April 2018, vor dem Springer-Haus in Berlin gegen die Verleihung des Axel Springer Awards 2018 an Amazon-Chef Jeff Bezos. Der Axel-Springer-Award ist eine jährlich vergebene Auszeichnung, mit der das Medienhaus „herausragende Persönlichkeiten, die außergewöhnlich innovativ sind, neue Märkte schaffen und Märkte verändern, Kultur formen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen“, ehren will.

„Es ist schon erstaunlich, dass Jeff Bezos am Dienstag in Berlin geehrt wird. Der Axel Springer Award zeichnet herausragende Persönlichkeiten aus, die in besonderer Weise innovativ sind und sich gleichzeitig der gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Das ist schon ein Treppenwitz. Circa 80 % Prozent der Amazon-Beschäftigten sind durch Altersarmut bedroht. Gesellschaftliche Verantwortung heißt für uns, dass den Beschäftigten ein Einkommen bezahlt wird, das für jetzt und noch viel wichtiger im Alter zum Leben reichen muss. Der wichtigste Schritt dazu ist, die Anerkennung von Tarifverträgen“, wird Streikleiter Thomas Gürlebeck in der Presse zitiert.

Mit der Protestaktion gegen die Verleihung dieses Awards an Amazon-Chef Jeff Bezos haben sich neben weiteren Beschäftigten aus Spanien, Frankreich und den USA auch prominente Politikerinnen und Politiker solidarisiert. Zu den Rednern gehörten neben dem ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske auch die Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, Andrea Nahles, sowie der Parteivorsitzende der Linken, Bernd Riexinger.

Bei Amazon erhalten die Beschäftigten regelmäßig und bei kleinsten Abweichungen von der Norm sogenannte Feedbacks. "Wir drehen den Spieß mal um und geben Jeff Bezos ein Feedback der Beschäftigten", sagte ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. In Redebeiträgen und kurzen Aktionen informierten sich die Beschäftigten bei der Aktion zu den Arbeitsbedingungen beim weltweit größtem Onlinehändler und unterstrichen erneut ihre Forderung nach einem Tarifvertrag.

Jeff Bezos verweigert bisher jede sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit mit Gewerkschaften. In allen Ländern herrscht in den Unternehmensleitungen nach Erfahrung der ver.di eine gewerkschaftsfeindliche Haltung. Dadurch werden auch Tarifverträge für die Beschäftigten regelmäßig verweigert. "Der Ausbau eines weltweiten Monopols verdient die Bezeichnung Innovation nicht. Die Politik muss Menschen wie Bezos Grenzen setzen, so lange sie es noch kann", so Nutzenberger weiter. Innovation müsse auch ein menschliches Gesicht haben.

An den deutschen Standorten des weltweit größten Internethändlers finden seit Jahren immer wieder Streiks zur Durchsetzung eines Tarifvertrages statt. So kam es auch im Vorfeld der gestrigen Protestaktion zu Arbeitsniederlegungen in Leipzig, Werne, Rheinberg, Bad Hersfeld, Koblenz und Graben. Inzwischen ist ver.di flächendeckend durch eine steigende Zahl von Mitgliedern vertreten. An den meisten Standorten vertreten Betriebsräte die Interessen der Belegschaft im Unternehmen

Thomas Gürlebeck, Gewerkschaftssekretär Fachbereich 12 - Handel
ver.di Bezirk Augsburg

www.handel.bayern.verdi.de

Demo in Berlin, Dienstag, 24. April 2018 ver.di Frank Bsirske auf der Demo in Berlin, Dienstag, 24. April 2018
Demo in Berlin, Dienstag, 24. April 2018 ver.di Demo in Berlin, Dienstag, 24. April 2018