Gemeinden

Keine grundlegende Verbesserung durch SGB VIII Reform

Kinder- und Jugendhilfe unter Druck

Keine grundlegende Verbesserung durch SGB VIII Reform

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert, dass mit der am 7. Mai im Bundesrat zu beschließenden Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes erneut eine Chance zur Verbesserung der Situation im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe vertan wird. ver.di fordert die Länder auf, gegen die Reform zu intervenieren.

„Die Beschäftigten haben eine qualitative Veränderung erwartet, aber eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, wie beispielsweise eine Fallzahlbegrenzung in den Jugendämtern oder verbindliche Personalschlüssel für Kitas und Heime sind im Gesetz nicht vorgesehen“, betont die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Auch die Jugendhilfeplanung hätte verbindlicher gestaltet werden müssen, um entsprechende Maßnahmen vor Ort anstoßen zu können. Gerade in der Pandemie wäre es erforderlich, auf veränderte Bedarfe der Familien zu reagieren. Das sehe das reformierte Gesetz jedoch nicht vor. „Mit verbindlichen Regelungen hätte man die Kinder- und Jugendhilfe krisensicher aufstellen können“ kritisiert Behle. Als positiv bewertet die ver.di-Vize, dass das Fachkräftegebot bei Hilfen zur Erziehung erhalten bleibe.

Behle wies darauf hin, dass die Kinder- und Jugendhilfe insbesondere in Zeiten von Corona von großer gesellschaftlicher Bedeutung sei. Schon vor der Pandemie sei die Situation schwierig gewesen: Unterbesetzte Jugendämter, zu hohe Fallzahlen, Preisdruck bei den Hilfen zur Erziehung und unzureichende Personalschlüssel in Heimen und Kitas würden seit vielen Jahren die Situation in der Kinder- und Jugendhilfe prägen. Daher hätten viele Beschäftigte auf den seit Jahren laufenden Prozess zur SGB VIII Reform gesetzt.

Eine von der Hochschule Fulda und ver.di durchgeführte Befragung zeigt, dass die Arbeitsbelastung bei den Beschäftigten immer mehr zunehme, so Behle. Die Einrichtungen seien weitgehend geöffnet und die Beschäftigten arbeiten unter einem noch höheren Druck als vor der Krise. Immer mehr Kinder- und Jugendliche benötigen Unterstützung und gleichzeitig fehlen in den Arbeitsfeldern Beschäftigte, da sie häufig den Risikogruppen angehören. Die Aufgaben und die psychische Belastung der Beschäftigten nehmen zu, weil sie sich gleichzeitig um den Gesundheitsschutz der zu Betreuenden und den eigenen kümmern müssen. Zur Verschärfung der Arbeitssituation trage auch der durch die Pandemie bedingte mangelnde Austausch mit dem Team bei. Entscheidungen wurden vor der Pandemie meist in den Teams beraten und getroffen. Die Befragung habe ergeben, dass sich 66 Prozent der Fachkräfte belastet oder extrem belastet fühlen, ca. 30 Prozent über einen Stellenwechsel nachdenken und ca. 18 Prozent überlegen, den Beruf zu wechseln.

Die Sonderauswertung zur Kinder – und Jugendhilfe von Nikolaus Meyer und Elke Alsago erscheint Mitte Mai 2021 unter dem Titel: Professionelle Bedingungen in Gefahr? Empirische Befunde zur Arbeitssituation in der Kinder- und Jugendhilfe im Forum Jugendhilfe (AGJ). Die Gesamtstudienergebnisse finden sich unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12054-021-00380-0.pdf

Martina Sönnichsen, ver.di-Bundesvorstand, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin

Fachbereich 7: Gemeinden

Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Friedhofsgärtner, Feuerwehrleute, Schulhausmeister und Schulsekretärinnen – ihre Interessen vertritt der Fachbereich Gemeinden, und nicht nur ihre.

Zu diesem Fachbereich des öffentlichen Dienstes gehören die Beschäftigten der Allgemeinen Kommunalverwaltungen, der Einrichtungen der Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe, der Schulen, der Feuerwehr sowie der Fachgruppen Gartenbau, Friedhöfe, Forsten und eGovernment, Neue Medien. Auch Beamtinnen und Beamte organisieren sich hier. In einem aktuellen Projekt hat ver.di gemeinsam mit Betriebs- und Personalräten die betriebliche Weiterbildung unter die Lupe genommen und untersucht, welchen Nutzen tarifvertraglich geregelte Qualifizierungsmaßnahmen haben.