Handel

Neuer Streikhöhepunkt im bayerischen Handel

Tarifrunde im Handel Bayern

Neuer Streikhöhepunkt im bayerischen Handel

Die Streiks im bayerischen Einzel- und Versandhandel haben am Freitag, den 25.06.2021 einen neuen Streikhöhepunkt erreicht. Zu Streikaktionen waren die Beschäftigten von Bauhaus in Ingolstadt, Douglas, Edeka in Asbach-Bäumenheim, Eichstätt, Harburg, Ingolstadt Westpark, Vohburg und Wemding, H&M in Augsburg, Donauwörth, Nürnberg und Ingolstadt, Ikea Regensburg, Kaufland in Bad Kissingen, Bad Tölz, Dingolfing, Ingolstadt, Lichtenfels, Moosburg, Schweinfurt und Vöhringen, die Lidl Zentrallager in Anzing und Graben bei Augsburg, Marktkauf in Hof und Schweinfurt, zahlreiche netto Filialen in Niederbayern und der Oberpfalz, Norma Zentrallager in Regenstauf, Rewe in München und Zara in Augsburg, Ingolstadt, und Regensburg aufgerufen. Seit Beginn der letzten Woche waren bereits die Beschäftigten von Amazon in Graben bei Augsburg im Streik. Insgesamt waren knapp 60 Betriebe zum Streik aufgerufen, einige von ihnen waren schon seit einigen Tagen im Streik. Wegen Schutz- und Hygienemaßnahmen versammelten sich die Streikenden nur zu kurzen Aktionen vor den Betrieben. Kundgebungen fanden in Augsburg und Regensburg statt.

„Trotz Rekordumsätze in der Pandemie verweigern die Handelskonzerne den Beschäftigten in den Tarifverhandlungen den Respekt und die Wertschätzung durch Entgelterhöhungen. Wenn sich die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen nicht bewegen, dann bewegen sich eben die Beschäftigten in den Betrieben“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer im Einzel- und Versandhandel Bayern.

„Jedem und jeder im Handel ist klar, dass Rekordumsätze für die Handelskonzerne immer Rekordarbeit für die Beschäftigten bedeuten. In der Pandemie kamen noch die extrem erschwerten Arbeitsbedingungen hinzu. Das verdient Wertschätzung auch durch Entgelterhöhungen“, sagte Monika Linsmeier, ver.di Streikleiterin in Niederbayern.

„Beschäftigten leisten Tag für Tag zuverlässig hervorragende Arbeit und versorgen uns alle. Respekt und Wertschätzung auch beim Gehalt ist da doch das Mindeste, was sie erwarten können“, formulierte Christin Rappl, ver.di Streikleiterin in der Oberpfalz die Erwartungen.

„In der Tarifrunde verstecken sich die Handelskonzerne hinter Krisenbetrieben, die fast ausnahmslos gar nicht tarifgebunden sind. Nur um ihre Gewinne nicht mit den Beschäftigten teilen zu müssen“, ergänzte Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München und Rosenheim.

„Den Beschäftigten wurde in den letzten Monaten alles abverlangt. Entweder Rekordarbeit oder deutliche Einkommensverluste durch Kurzarbeit. Da ist das Verhalten der Arbeitgeber ein Schlag ins Gesicht“, empörte sich Paul Lehmann, ver.di Streikleiter in Oberfranken.

„Scheinbar können sich Arbeitgeber gar nicht mehr vorstellen, welchen Belastungen die Beschäftigten tagtäglich ausgesetzt sind, sonst müssten sie verstehen was sie mit ihrem sogenannten Angebot, welches Reallohnverluste und Altersarmut bedeutet bei den Kolleginnen und Kollegen anrichten“, ärgert sich Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken.

„Douglas stellt sich den Kunden mit leuchtender Fassade, den Beschäftigten verweigern sie aber sei Jahren die dringend notwendige Tarifbindung. Damit wird die drohende Altersarmut für unsere Kolleginnen und Kollegen zu einer schier unglaublichen Belastung“, stellte Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin in Mittelfranken klar.

„Bei Amazon kämpfen die Beschäftigten seit Jahren für ihre Sicherheit durch existenzsichernde Tarifverträge. Ihr Mut und Ihre Ausdauer ist bewundernswert, trotz der massiven Gegenwehr von Amazon. Und ich bin mir sicher, dass sie noch lange durchhalten werden“, machte Sylwia Lech, ver.di Streikleiterin in Schwaben klar.

„Die Beschäftigten wollen zu den anstehenden Tarifverhandlungen am 29. Juni im Einzel- und Versandhandel ein klares Signal an die Arbeitgeber senden. Die Verweigerungshaltung muss endlich ein Ende haben“, stellte Reinhardt Semmler, ver.di Streikleiter in Ingolstadt klar.

ver.di Handel Bayern im Internet:
www.handel.bayern.verdi.de
www.facebook.com/verdihandelbayern

 

Hintergrundinformationen:

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in beiden Branchen eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 % plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen

Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden. Für tarifgebundene Krisenunternehmen/-betriebe will ver.di durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

Die Tarifverhandlungen werden im Einzel- und Versandhandel am 29. Juni und im Groß- und Außenhandel am 24. Juni fortgesetzt.

Im bayerischen Einzel- und Versandhandel sind lt. Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 % der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit und 70 % der Beschäftigten sind Frauen. 2020 erwirtschafteten laut Statistischen Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 % mehr Umsatz und real 6,8 % mehr Umsatz.

Mit einer wirtschaftlichen Leistung von rund 230 Mrd. Euro jährlich ist der bayerische Großhandel, gemessen am Umsatz, die deutlich größte Branche in Bayern. Im bayerischen Großhandel sind rund 270 000 Menschen, davon knapp 40 % Frauen und ca. 7500 Auszubildende, beschäftigt. Rund 65 % der Beschäftigteten sind in Klein –und Mittelständischen Unternehmen beschäftigt.

Die Funktion des Großhandels, als Bindeglied zwischen den Herstellern/Industrie und z.B. den Einzelhandel, Handwerksfirmen und Landwirten, spricht ihm eine hohe Bedeutung zu. Ohne den Großhandel wäre eine Versorgung der Bevölkerung, so wie wir sie kennen, nicht denkbar. Der bayerische Großhandel ist daher das Rückgrat der bayerischen Wirtschaft.